In einer Fernsehdokumentation zum Thema 'Geldnoten und Geldnotenfälschung' hörte ich einmal den Satz: "Ziel der Notenbanken war es, jeden Schritt der Geldherstellung so kompliziert wie möglich zu machen und damit den Fälschern das Handwerk zu erschweren." Das erinnerte mich ein wenig an die Herstellung von Platinen. Diese Herstellung erfolgt in einer Reihe von Schritten, und bei keinem der Schritte kann man sich Nachlässigkeit leisten. Man muss jeden Schritt absolut sorgfältig ausführen, nur dann wird man am Ende mit einer guten Platine belohnt.
| Layouterstellung |
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| Zum Belichten |
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| Zum Entwickeln und Ätzen |
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| Material/Hilfsmittel/Werkzeug |
|
| Zeit |
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Als Zeichenprogramm für einfache Leiterplatten benutze
ich übrigens CorelDraw
3. Das klingt etwas altbacken (aktuell ist wohl die Version 11),
für maßhaltige schwarze
Linien,
Kreise und Flächen (also Leiterbahnen) ist das aber völlig
ausreichend,
und dieses Programm gibt es inzwischen fast umsonst: z.B. auf der
BIG-CD,
die es manchmal zu HP-Druckpatronen dazugab.
Layouts entwerfe ich positiv (Kupfer = schwarz, kein Kupfer = nichts = weiß) und in der Ansicht von der Bestückungsseite her. Dadurch vermeidet man Verwechslungen bei IC-Pin-Belegungen. Der Entwurf ist damit spiegelbildlich, was für den folgenden fotochemischen Prozess ohnehin nötig ist. Man sollte unbedingt etwas Text (spiegelbildlich!) im Layout vorsehen. Dadurch erkennt man später auf einen Blick die Vorder- und Rückseite des Layouts. Wie ich solche CDR-Dateien erstelle sieht man am linken Bild oder an Beispielen aus der Projekte-Seite. |
Grundregeln:
Die besten Ausdrucke habe ich mit einem hochauflösendem
Tintenstrahldrucker
(meinem uralten Epson Stylus Foto) auf HP-Transparentfolie (HP Premium
Inkjet
Transparency
Film, HP C3835A, leider sehr teuer) erhalten. Diese Folie fühlt
sich
auf einer Seite rau an. Diese Seite ist zu bedrucken. Die raue
Oberflächenstruktur
verhindert das Verlaufen der Tinte. Es ist unbedingt im Druckertreiber
als Druckmedium "Photo Quality Glossy Film" einzustellen und die
höchste
Ausdruckqualität auszuwählen, ansonsten werden die schwarzen
Flächen nicht blickdicht. (In der Einstellung "Ink Jet
Transparencies"
schaltet der Drucker dagegen auf 360 dpi herunter, was zu
nichtdeckender
Tintenauftragung führt.) Ein Düsentest vor dem Ausdruck
vermeidet
unangenehme Überraschungen in Form von horizontalen weißen
Linien.
Wer einen anderen Drucker benutzt sollte wenigstens 600 DPI einstellen
können. Keinen Erfolg hatte ich mit einem Billig-HP-Deskjet, der
nur
300 DPI konnte. Der Tintenauftrag war je nach Treibereinstellung nicht
flächendeckend oder mit grüner Tinte vermischt. (Das mag ja
auf
Papier sinnvoll sein, aber nicht bei Belichtungsvorlagen.) Auch ein
HP-Deskjet
600 (300 DPI) brachte nur mäßige Ergebnisse (Beste
Ergebnisse
in der Einstellung Spezialpapier, aber nicht blickdicht).
Ein Canon Pixma MP780 (4800x1200 dpi) deckte immer noch etwas
schlechter
als mein betagter Epson-Stylus-Photo (720 dpi). Hier heißt es
also
mit allen erreichbaren Druckern experimentieren, um das beste
Druckresultat
zu erzielen.
(Die alte Tintenstahler-Druckerfolie HP51630S-CX
JetSeries
Transparency
Film ist übrigens völlig ungeeignet, da hier die Farbe
abperlt.)
Wer mit der Transparentfolie keine blickdichten Ausdrucke erzielt
(oder
falls die Transparentfolie zu teuer ist), kann alternativ folgende
preiswerte
Lösung versuchen. Man druckt auf normalem Papier für
Tintenstrahldrucker
mit bestmöglicher Auflösung. Durch das Aufsaugen/Verlaufen
der
Tinte ist ein blickdichter Ausdruck viel einfacher zu erzielen. Der
getrocknete
Ausdruck wird dann mit Sonnenblumenöl (man kann
auch
Pausklar aus der Spraydose von Conrad verwenden) eingerieben, wodurch
die
unbedruckten Stellen für das UV-Licht transparent werden. (danke
Bodo)
Ein Laserdrucker liefert nicht ganz so gute
Ergebnisse
wie der Epson-Stylus-Foto, ist aber ausreichend. Dazu druckt man auf
Transparentpapier.
Ein Stück dieses dünnen Transparentpapiers wird dazu mit
Tesa-Film
auf einem normalen Blatt Druckerpapier fixiert, ansonsten gibt es
Papierstau.
Der Tesa-Film übersteht die heißen Fixierwalzen des Druckers
überraschend
gut. Es empfiehlt sich, zunächst einen Probedruck auf ein normales
Blatt Papier anzufertigen, dann in der nötigen Größe
Transparentpapier
zuzuschneiden. Dieses Transparentpapierstück wird dann auf einem
neuen
Blatt Papier an der Position des Layout-Probeausdrucks fixiert. Dazu
nur
einen Streifen Tesa am oberen Ende des Transparentpapiers benutzen. Das
untere Ende des Transparents bleibt locker (vermeidet Falten). Nun wird
das Blatt noch mal in den Drucker eingeführt und der Ausdruck (nun
auf dem Stück Transparentpapier) wiederholt.
Alle Druckertreibereinstellungen, die das Schwarz noch "schwärzer"
machen sollte man nutzen. Trotzdem wird man ein Ergebnis erhalten, das
etwas Licht durchscheinen lässt. Es empfiehlt sich mit einem
schwarzen Tuschestift nachzuarbeiten.
Der Schwärzungsgrad des Ausdrucks ist offensichtlich stark vom
Fabrikat des Druckers abhängig. Mit HP-Druckern hatte ich eher
schlechte
Erfahrungen gemacht. Per Email erhielt ich den Hinweis, dass ein
Brother-Drucker
ein brauchbares Ergebnis lieferte. Mein Test mit einem OKIlaser14ex war
ebenfalls zufriedenstellend, aber nicht perfekt.
Bei Conrad gibt es ein Tonerverdichterspray,
mit
dem
man
die
bedruckte
Folie
einsprühen
soll,
um
das
Druckergebnis
zu
verbessern.
Allerdings erhöht es natürlich
nicht die Menge des aufgetragenen Toners auf der Folie. Mein Test
dieses Tonersprays ergab keine nennenswerte Verbesserung des
Druckergebnisses.
Falls das Druckergebnis bei Tintenstrahl oder Laserdrucker
trotz aller Mühe nicht blickdicht wird, kann man das Layout auch
mehrfach
drucken, und die Ausdrucke passgenau übereinander legen. Das
funktioniert für einfache Layouts gut. Bei sehr filigranen Layouts
ist das aber nicht einfach, da keine zwei Ausdrucke exakt
deckungsgleich
sind. Das ist wohl weniger ein Problem der Druckermechanik als der
bedruckten
Blätter. Papier dehnt sich aus und schrumpft je nach Feuchtigkeit,
Folien werden wahrscheinlich durch die heißen Fixierwalzen des
Laserdruckers
verzerrt. Mit Öl getränktes Papier wird mit Sicherheit auch
quellen.
Ein weiteres Problem der mehrfach-Layouts ist, das die Farbschichten
der einzelnen Ausdrucke nicht direkt aufeinander liegen, sondern durch
eine Papier- oder Folie-Schicht getrennt sind. Dort kann sich
Streulicht
ausbreiten..
Trotzdem liefert diese Technik für nicht allzu filigrane Layouts
gute Ergebnisse.
Mit sogenannter Transferfolie für Laserdrucker habe ich keine
so
guten Erfahrungen gemacht. Vielleicht hatte ich da die Tricks noch
nicht
so raus, vielleicht verspricht hier auch die Werbung zuviel. Ich bleibe
bei der Fotochemie.
Andere Bastler haben sehr gute
Erfahrung mit der Direkttonermethode gemacht.
Ideal: professionelle
Filmbelichter
Für digitale Röntgengeräte gibt es Belichter, die die
schwarz-weiß-Aufnahmen auf lichtempfindliche Transparentfolie
(also
Filmmaterial)
belichten und diese entwickeln. Die gleiche Technik hat natürlich
auch jede Leiterplattenfirma. Wenn ein Anbieter für Privatkunden
solche Folien für ein paar Cent belichten und entwickeln
würde, könnte man sich viel Arbeit ersparen. Bei
Papierbildern ist dieser Service schon lange üblich (auch
wenn die Fotolabore dort nicht maßhaltig arbeiten).
Es gibt im Internet tatsächlich einige Anbieter, die genau das
für bastler-freundliche Preise anbieten. Dazu sucht man im Web
nach "Leiterplattenfilm". Typische Kosten sind 2,50 Euro für eine
10cm x 8 cm große Folie (plus Versandt). Wenn man gleich mehrere
Folien belichten lässt (um Versandkosten zu sparen) sind die paar
Euro eine lohnende Investition, die einem viele Sorgen und Probleme
ersparen kann. Die Qualität solcher Folien (insbesondere die
Blickdichte der schwarzen Bereiche) kann man mit haushaltsüblichen
Druckmethoden nicht annähernd erreichen.
Ein möglicher Anbieter ist http://www.so-pbdl.de/leiterplattenfilme.htm
. Wer mit anderen Anbietern positive Erfahrungen gemacht hat,
kann mir das gern mitteilen.
Für die meisten Anwendungen reichen einseitige Platinen. Oft kann eine zweite Platinenseite vermieden werden, wenn man sich nicht scheut einige Drahtbrücken zu verwenden. Wer extreme Miniaturisierung betreibt, kann eine zweiseitige Platine beidseitig mit SMD-Bauteilen bestücken und dadurch viel Platz sparen. Dabei sind dann auch die Ansprüche an die Passgenauigkeit der beiden Seiten nicht so hoch.
Dünne Platinen sind preiswerter, können sich aber verbiegen, was Leiterbahnen und Bauelemente belastet, ich nutze 1,5 mm dickes Material.
Eine Kupferschichtdicke von 35 µm klingt wenig, ist aber
normalerweise
völlig ausreichend. Nur bei Hochstromschaltungen (Motorregler,
Transverter
...) sind Platinen mit 70 µm Kupferschichtdicke sinnvoll.
Lagerfähigkeit
Fotobeschichtetes Basismaterial sollte kühl und trocken gelagert
werden
(z.B.in luftdichter Plastiktüte im Kühlschrank) und ist etwa
1 Jahr lang verwendbar. Soweit die
Theorie. In der Praxis kann man das Material deutlich länger
lagern. Ich habe original Bungard-Platinen nach 3,5 Jahren, nach 7
Jahren und nach 9,5 Jahren
Lagerung getestet. Die Platinen lagen nicht im Kühlschrank,
sondern im Keller an einem trockenen Platz. Auch nach so langer
Lagerung
gab es an bei Belichtung und Entwicklung der Platinen keine
Auffälligkeiten. Der Fotolack hatte nicht gelitten. Allerdings
machte der Klebstoff der Schutzfolien Probleme. Beim Abziehen der Folie
vom Lack blieben im Platinenrandbereich schwarze
Kleberrückstände haften. Mit einem Küchentuch, dass ich
mit Feuerzeugbenzin benetzt hatte konnte ich die Kleberreste mit einem
Wisch entfernen. Beim späteren Entwickeln viel dann auf, dass die
abgewischten Randbereiche viel schneller entwickelt wurden, als der
Rest der Platine. Seitdem wische ich nach dem Abziehend der Folie von
überlagerten Platinen zunächst die Platinenränder ab, um
die sichtbaren Kleberreste zu entfernen. Danach wische ich mit einem
neuen Tuch die gesamte Platinenfläche kurz ab. Dabei verwende ich
jeweils nur wenig Feuerzeugbenzin und wische nur ein mal über die
Oberfläche, um den Lack nicht zu beschädigen.
Die so behandelten Bungard-Platinen
waren voll einsetzbar.
Mit überlagerten Platinen anderer Hersteller habe ich
allerdings deutlich schlechtere Erfahrungen gemacht. Auch bei denen
blieben offensichtlich Reste des Klebers auf dem Fotolack zurück,
es war aber nicht möglich, diese Reste so problemlos zu entfernen.
Ich spreche selten Empfehlungen für bestimmte Markenprodukte
aus, aber Bungard hat mich bisher nie enttäuscht.
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Die Platine wird zunächst auf das benötigte
Maß zurechtgeschnitten,
und dann vom zugeschnittenen Stück die Schutzfolie entfernt. Da
der
Lack kaum tageslichtempfindlich ist, kann das (wenn man schnell
arbeitet)
bei normaler Beleuchtung geschehen.
Die Platine wird mit der Fotolackschicht nach oben auf den Schaumstoff gelegt. Das spiegelbildlich ausgedruckte Layout wird mit der Druckseite auf die Platine gelegt. Damit ist das Layout wieder seitenrichtig, und zwischen Fotolack und Druckerfarbe ist kein Abstand für störendes Streulicht. Darauf kommt nun die saubere Glasplatte. Sie hat die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Layout plan auf der Platine aufliegt und nicht verrutscht. |
Nun folgt der kritischste Abschnitt der Platinenerstellung - die Belichtung. Kritisch ist dabei die Belichtungszeit. Ich befestige die Lampe ca. 15 cm über der Platine und belichte dann 6 Minuten. Das ist des Ergebnis einer Belichtungstestreihe. Diese Zeit hängt aber von vielen Faktoren ab, und muss deshalb von jedem selbst ausprobiert werden.
Muss es doch mal eine zweiseitige Platine sein, müssen beide Layouts ausgedruckt und präzise zu einer Tasche verklebt (Tesa) werden. In diese Tasche wird die Platine zum Belichten eingelegt, und mit Tesa fixiert. Dann lassen sich nacheinander beide Seiten belichten.
Wer mit Sonnenblumenöl-Layouts arbeitet, sollte die Platine vorsichtig abwaschen, falls Öl auf die Platine gekommen ist.
Noch mal zum Abstand zwischen Lampe und Platine:
Die Dichte der UV-Strahlung, die an der Platine ankommt ist extrem
von der Entfernung zur Lampe abhängig (1/quadratisch). Ein
Halbieren
des Abstandes vervierfacht die Strahlungsleistung, und viertelt die
nötige
Belichtungsdauer. Aus drei Gründen sollte man aber nicht zu dicht
mit der Lampe an die Platine herangehen.:
Zum Ausprobieren kann man auch eine normale 100W-Glühbirne verwenden. Bei 15 cm Abstand zur Leiterplatte ergeben sich aber Belichtungszeiten von ca. 30 Minuten.
Ideal ist ein Belichtungsgerät,
das
man für über 200 € kaufen kann, oder das man sich aus
einem alten Scanner und ein paar UV-Leuchtstofflampen selber baut.
Im Entwicklerbad werden die belichteten Stellen des Fotolacks aufgelöst. Das ist bei vielen Platinen-Fabrikaten (aber nicht bei allen) zunächst mit einer Violettverfärbung der belichteten Lacks verbunden. Dieser violette Lack löst sich dann im Entwicklerbad auf.
Nach 15 .. 20 Sekunden im Entwicklerbad, wird das Layout sichtbar. Durch bewegen der Fotoschale mit dem Entwicklerbad sorgt man dafür, dass die Entwicklerflüssigkeit den entwickelten Lack von der Platine "spült". Nach ca. 1/2 Minute entnehme ich die Platine aus dem Entwicklerbad und spüle sie unter dem Wasserhahn ab, dabei tritt das Layout der zukünftigen Leiterplatte hervor. Allerdings nicht farblich (wie beim Entwickeln von Filmmaterial) sondern eher plastisch: farbloser Lack auf nacktem Kupfer.
Es ist wichtig, dass aller Lackreste von den belichteten
Stellen
entfernt werden. Dazu kann man die Platine unter fließendem
Wasser
vorsichtig abreiben (mit den Fingern im Latexhandschuh oder einem
sauberen weichen
Lappen).
Ein mittelharter Wasserstrahl tut es aber in der Regel auch. Danach
tauche ich die Platine noch mal für kurze Zeit in das
Entwicklerbad,
um letzte Reste des belichteten Lacks zu lösen. Danach wird wieder
abgespült und dabei vorsichtig abgerieben.
Falls nicht aller Lack in den belichteten Bereichen weg ist, dann
lieber
noch etwas nachentwickeln. Bis zu 4 Minuten widerstehen die
unbelichteten
Abschnitte der Entwicklerlösung meist problemlos. (bei
Tintenstrahldrucker-Layouts)
Sollte das Layout schon sofort nach dem Eintauchen der belichteten Platine in den Entwickler deutlich sichtbar sein, und der Entwicklungsprozess schon nach 10 Sekunden abgeschlossen sein, so ist vermutlich die Belichtungszeit zu lang gewesen. Nun ist äußerste Sorgfalt geboten um die Platine noch zu retten. Die unbelichteten Zonen können nun beim Ätzen leicht angegriffen werden, was sich später in vielen kleinen Löchern in der Kupferschicht zeigt. Also das Ätzen überwachen, und die Platine sofort nach dem Ätzen aus dem Ätzbad nehmen.
Anmerkung
Es gibt positive Berichte über den NaOH-freien Entwickler vom
Typ 4007 (Conrad 52 88 03-xx). Mit ihm soll es fast unmöglich
sein,
eine Platine über-zuentwickeln. Die belichtete Platine darf also
straffrei
sehr lange im Entwickler verbleiben, ohne Schaden zu nehmen. Das ist
für
eine gleichmäßige Entwicklung der Platine (besonders bei
ungleichmäßiger
Belichtung) von großem Vorteil. Ich werde das mal ausprobieren.
Bungard schreibt seinem NaOH-freien Spezialentwickler ähnliche
Eigenschaften zu (Conrad 52 87 73-xx), und mit diesem Entwickler hatte
ich sehr gute Ergebnisse, allerdings habe ich damals keine direkten
Vergleiche
zu NaOH durchgeführt.
Beide NaOH-freien Entwickler kosten für 1 Liter
Entwicklerlösung
ca. 1,60€.
Das ist der 10-fache Preis von NaOH.
Das Ätzmittel gibt es preiswert als Pulver oder in Perlenform.
Man löst es in Wasser, bis sich kein Ätzmittel mehr
lösen
lässt. Dabei entwickelt sich übrigens Wärme. Man
sollte
also nicht schon mit warmem Wasser anfangen.
Nun kann man die Platine für ein paar Sekunden eintauchen, sofort
wieder entnehmen und mit Wasser gründlich abspülen. Man
erkennt
nun gut, ob man beim Entwickeln Erfolg hatte. Flächen ohne
schützenden
Lack werden matt. Evtl. sollte man nun noch nachentwickeln, oder
überschüssigen
Lack einfach abkratzen. Fehlender Lack lässt sich mit
einem
ätzfestem Lackstift ersetzen. Dann wieder ins Ätzbad mit der
Platine. Die Ätzzeit hängt stark von der Temperatur und vom
Verbrauchsgrad
der Ätzlösung ab. Sie liegt zwischen 10 Minuten und 1 Stunde.
Die Platine sollte regelmäßig bewegt werden, um frisches
Ätzmittel
und Sauerstoff zum Kupfer zu "spülen".
Falls gegen Ende des Ätzvorgangs nur noch einige Kupferflecken
übrig sind, kann man diese außerhalb (besser oberhalb) des
Ätzbades
mit einem Wattebausch wegwischen. Der Wattebausch wird dazu mit
Ätzmittel
getränkt, und mit einer Fotozange gefasst.
Eisen-III-Chlorid ist sehr ergiebig, und kann deshalb für
mehrere
Platinen verwendet werden. Zur Aufbewahrung bitte keine
Lebensmittelflaschen
und keine Flaschen mit metallischem Verschluss verwenden. Am
Besten
ist eine Glasflasche mit Glasstopfen. Verbrauchte Ätzlösung
ist
übrigens Sondermüll und gehört ins Ökomobil und
nicht
in den Abfluss!! Das trockene noch ungelöste pulverförmige
oder in Perlenform gepresste Eisen-III-Chlorid ist stark hygroskopisch.
Deshalb muss es unbedingt in einem luftdichten Behältnis (Glas
oder Plastik) aufbewahrt werden. Ansonsten zieht es im Laufe der Zeit
Luftfeuchtigkeit an, und verwandelt sich in eine ätzende
Lösung.
Amoniumpersulfat /
Natriumpersulfat
Es gibt alternative Ätzmittel wie z.B. Amoniumpersulfat oder
Natriumpersulfat.
Diese moderneren Mittel sind umweltfreundlicher und durchsichtig. Man
kann
den Ätzprozess also besser beobachten und hat hinterher weniger
Sondermüll.
Das Problem mit diesem "Feinätzkristall" ist die
Temperaturabhängigkeit.
Unterhalb von 40°C ätzen sie so gut wie gar nicht, oberhalb
von
60°C kristallisiert das Ätzmittel aus. (Die Kristallisation
lässt
sich durch Kochen wieder rückgängig machen.) Man
benötigt
also ein temperaturgeregeltes Ätzbad. Hat man das, dann spricht
alles
dafür von Eisen-III-Chlorid auf modernere Ätzmittel
umzusteigen.
Wenn man die Platine in die Ätzflüssigkeit gibt, werden
die
ungeschützten Platinenbereiche sofort matt. Mann erkennt dadurch
eventuelle
Mängel im Fotolack (Kratzer oder nicht vollständig entfernter
Lack) schnell. Noch kann man durch übermalen von Kratzern oder
abkratzen
von Lackresten korrigieren. Wenn man die Platine dafür aus dem
Ätzbad
nimmt, ist sie jedesmal gründlich mit Wasser abzuspülen.
Während des Ätzens kann man beobachten, das das Kupfer an
den Lackkanten zuerst weggeätzt wird. Große
Kupferflächen
benötigen dagegen lange, bis sie vollständig abgeätzt
sind.
Deshalb noch mal meine Empfehlung zum Layoutentwurf: Unbenutzte
Platienbereiche
sollten als Masseflächen genutzt werden. Dann müssen sie
nicht
abgeätzt werden. Man ist mit dem Ätzen schneller fertig und
man
spart Ätzmittel.
Sollte auf der halb fertig geätzten Platine das Kupfer "streifig" stehen bleiben, dann war die Belichtungszeit zu kurz, und es sind feine Reste des "aufgestrichenen" Fotolacks auf der Platine zurückgeblieben. In diesem Fall sollte man die halb fertige Platine wegwerfen und es mit der doppelten Belichtungszeit noch einmal versuchen.
Die fertig geätzte Platine ist gründlich mit Wasser abzuspülen, ansonsten arbeiten sich Ätzmittelspuren im Laufe der Zeit durch die dünnen Leiterzüge und verursachen Monate später rätselhafte Ausfälle. Der Foto-Lack ist lötbar, und kann normalerweise auf der Platine verbleiben.
Für die nähere Zukunft plane ich den Bau einer einfachen Ätzmaschine.
In einer Email beschrieb Paul seine Gurkenglasätzmaschine.
Das Kolophonium kann
man mit einem Föhn schneller trocknen. Die
klebrige Oberfläche wirkt sonst beim anschließenden Bohren
wie
ein Schmutzmagnet. Das Kolophonium dient nur dem besseren Löten,
und
wird nach der Bestückung der Platine wieder mit Spiritus und einer
alten Zahnbürste abgewaschen.
Deutlich besser ist aber eine chemische Verzinnung der
Platine. Dafür wird die Platine in eine Flüssigkeit gelegt,
und darin scheidet sich auf dem Kupfer einen dünne Zinnschicht
ab. Diese vereinfacht das anschließende Löten, und
schützt auch vor Korrosion.
Bungard: SUR-TIN
Mir wurde eine chemische Verzinnung (SUR-TIN)
der
Firma
Bungard empfohlen, die sich leicht verarbeiten
lässt.
SUR-TIN besteht aus einer Flüssigkeit (37%ige Schwefelsäure)
und zwei Pulvern, die
nacheinander
in warmen Wasser (50 Grad) aufgelöst werden. Insbesondere die
vergleichsweise niedrige
Wassertemperatur
vereinfacht den Ansatz des Verzinnungsbades wesentlich. Meiner Nase
nach
unterscheidet sich die Chemie bei Conrad (siehe unten) und Bungard
nicht wesentlich,
aber das nacheinander-zusammen-Mischen der einzelnen Chemikalien bei
Bungard
wird mit einem deutlich besserem Auflösungsverhalten der Pulver
quittiert.
Ein Unterschied zur Conrad-Verzinnung ist, dass der
Verzinnungsprozess
selbständig stoppt, wenn eine ausreichende Schichtdicke erreicht
ist.
Die Verweilzeit der Platine im Bad ist also nicht kritisch.
SUR-TIN ist meiner Meinung nach auch
für
Bastler ein geeignetes Verzinnungsbad.
Einige Bastler mailten mir, das sie als
Privatpersonen
bei Bungard nicht kaufen könnten. Joerg (Danke) erkundigte sich
bei
Bungard, und bekam folgende Antwortmail:
| "...Unser SUR-TIN chemische
Glanzverzinnung
konnen Sie gerne bei uns direkt kaufen. Wir haben allerdings einen
Mindestbestellwert
von 25 Euro. Wir verkaufen dieses Produkt zwar insgesamt über 40
Handler
weltweit, aber in Deutschland ausschließlich direkt,weil einer
der
Bestandteile von SUR-TIN (Teil 1 = Batteriesäure) nicht
hochregalfähig
ist..." sales@bungard.de |
Conrad: Glanzzinn
Bei Conrad
gibt es ein weißes Pulver, das Glanzzinn genannt wird. Das Pulver
wird in heißem (ca. 90º) Wasser
aufgelöst,
und die zuvor gereinigte Platine (Spirituslappen) für einige
Minuten
bei Zimmertemperatur in die Lösung getaucht. (Vorsicht:
giftig
und
ätzend)
Das Auflösen des Pulvers in
90°C-heißem
Wasser ist alles andere als einfach. Man arbeitet hier mit einer fast
kochenden,
stark ätzenden, giftigen Lösung, und mir ist es nur gelungen
einen kleinen Teil des Pulvers zur Lösung zu bringen. Dieser
Schritt
ist der mit Abstand gefährlichste beim Herstellen einer
Leiterplatte,
und ich kann deshalb das Conrad-Verzinnungsbad nicht ruhigen Gewissens
weiterempfehlen. Ich rate
dringend dazu, nicht gleich gas gesamte Pulver der Packung zu
verwenden, sondern nur ein Zehntel des Pulvers in einem entsprechend
kleinem Glas zu lösen. Das ist dann weniger gefährlich, und
die kleine Menge reicht auch schon für ein paar Platinen.
Zehn Jahre nach meinen ersten Conrad-Glanzzinn-Experimenten habe ich
mich noch einmal an diesem Pulver versucht. Das Ergebnis war eher noch
schlechter als bei den ersten Tests. Ich versuchte (aus
Sicherheitsgründen) nur eine Teilmenge des Pulvers in einer
geringeren Wassermenge zu lösen. Wieder gelang das nur teilweise,
obwohl die Temperatur ausreichend hoch war. Nach dem Einlegen der
Platinen in die Lösung tat sich dann fast gar nichts. Erst ein
Verbleib von ca 1 Stunde ergab eine hauchdünne Zinnschicht. Das
war ernüchternd. Ich belasse nun die Platinen über Nacht in
der Lösung, dann ist die Zinnschicht brauchbar.
Octamex: chemisch Zinn
Als alternativen Lieferanten kann ich www.octamex.de
nennen. Dort wird unter dem Namen "chemisch Zinn" eine chemische
Verzinnung verkauft, die dem SUR-TIN "sehr nahe kommt". Die
Packungsgröße reicht hier für 1 Liter, und der Preis
liegt bei 9,30 Euro. Es wird problemlos an Privatpersonen geliefert.
(Nachdem man einer Erklärung zustimmt, nach der man weder
Giftgas-Ali noch Bomben-Tom oder Dynamit-Harry ist.) Die
octamex-Verzinnung ist nach dem Ansetzen innerhalb von maximal 6
Monaten zu verbrauchen, danach hat es keine Wirkung mehr. Andere
Verzinnungen lassen sich deutlich länger lagern.
Davon mal abgesehen ist diese Verzinnung einfach anzusetzen und
erbringt ein gutes Verzinnungsergebnis. Eine Verweilzeit der Platine
von wenigen Minuten in der Lösung ergibt eine gute Beschichtung.
hw-electronics:
Chemisches Zinn
Eine weitere Quelle für chemische
Verzinnung mailte mir Matthias. Die Firma Der http://www.hw-electronics.de/
(unter Artikel>> Verbrauchsmaterial >> Chemisches Zinn)
bietet für ca. 15 Euro ein bereits fertige Lösung zum
Verzinnen an. Hier muss man also nichts mehr zusammenmixen. Das klingt
nach einer anwenderfreundlichen Lösung. Ich habe sie aber noch
nicht getestet.
Wer Glasfaserplatinen bohrt, verschleißt übrigens pro
Platine
einen Standard-Bohrer. Schon nach ca. 100 Löchern wird ein
Standardbohrer
stumpf.
Mit Titannitrit beschichtete Bohrer (die goldfarbenen) kosten etwas
mehr und sollen etwas länger halten. Ich habe sie aber nie
für Platinen verwendet.
Außer den normalen Standardbohrern (ca. 0,30 Euro/Stk) gibt es
Spezialbohrer mit einem auf 3,2 mm verdicktem Schaft zu einem
Vielfachen des Preises (ca. 5 Euro/Stk; 2,40 bei Reichelt). Diese
liefern hervorragende
Ergebnisse (die Bohrlöcher sehen aus wie gestanzt) und halten auch
viel länger. Allerdings brechen sie bei
seitlicher Belastung, bei zu geringer Drehzahl und wenn man sie
versehentlich fallen lässt sehr schnell ab, da sie im Vergleich zu
Standardbohrern viel spröder sind. Ihr Einsatz lohnt
ausschließlich in einer kleinen Ständerbohrmaschine mit
>10000 upm.
(Ich habe einmal 3 Stück innerhalb von 5 Minuten abgebrochen. Erst
nachdem ich schon beim ersten Loch nacheinander 2 Bohrer abgebrochen
hatte, bemerkte ich die viel zu geringe Drehzahl von 5000 upm. Nach der
Erhöhung auf 20000 upm bohrte ich einige wunderschöne
Löcher. Beim anschließenden Bohrerwechsel fiel der dritte
Bohrer dann auf den gefliesten Fußboden - exitus. Von den so
geopferten 15
Euro hätte ich 50 Standardbohrer kaufen können.)
Zum Beginn des Lötens sollte Bauelement und die Leiterplatte frei von Oxydschichten sein. Ist die Leiterplatte wie oben vorbereitet, ist die schon mal o.k.. Bedrahtete Bauelemente liegen manchmal jahrelang beim Händler oder Bastler im Regal. Ihre Anschlussdrähte sollten kurz vor dem Löten mit sehr feinem Sandpapier leicht abgerieben werden.
Grundsätzlich sollte man nur mit einem Flussmittel löten. Fast alle Lötzinn-Sorten enthalten deshalb eine Kolophoniumader. Zusätzlich kann man in Spiritus gelöstes Kolophonium auf die Lötstelle auftragen. Ist der Lötkolben zu heiß, "verbrennt" das Kolophonium zu einer schwarzen Kruste und wirkt nicht mehr.
Der häufigste Fehler ist das zu kurze Erhitzen der
Lötstelle.
Dadurch wird nicht richtig gelötet, sondern nur zusammengepappt.
Man
sollte in aller Ruhe abwarten, bis das Lötzinn schön an der
Lötstelle
läuft und die Platine und den Bauelementeanschluss "benetzt"
hat (ca. 2-3 Sekunden). Ansonsten hat man an seinen Lötstellen
keine
dauerhafte Freude. Bauelemente sind bei weitem nicht so
hitzeempfindlich
wie man denkt.
Dieses Foto zeigt typische
Anfängerlötstellen: zuviel Lötzinn, zuwenig Flussmittel,
zu wenig Hitze.
Dieses Foto zeigt recht normale Lötstellen:
weniger Lötzinn, reichlich Flussmittel, ausreichend Hitze.
Die Lötkolbenspitze muss sauber und mit flüssigem
Zinn überzogen sein. Ansonsten ist der Wärmekontakt zur
Lötstelle
schlecht, und die Lötstelle erhitzt sich nur sehr langsam.
Verzunderungsfreie
Dauerlötspitzen sind ihr Geld wert.
Vielbeinige Schaltkreise sollte man von den mittleren zu den äußeren Beinchen hin löten, und Pausen einlegen, damit der IC sich nicht zu sehr aufheizt.
SMD-Bauelemente sollte man nur auf vorher dünn verzinnte Flächen auflöten. Der Lötkolben sollte niemals auf das Bauelement gesetzt werden, sondern von der Seite den Anschluss erhitzen. Bei SMDs sollte sparsam mit Lötzinn umgegangen werden.
Versehentliche Lötzinnbrücken lassen sich leichter
entfernen, wenn man sie mit reichlich Kolophonium wiedererhitzt.
Gleichzeitig
kann man überflüssiges Zinn mit Entlötlitze
(feinadrige
mit Kolophonium getränkte Kupferlitze) entfernen. Dazu legt man
die Entlötlitze auf die Lötstelle, und setzt dann den
Lötkolben auf die Entlötlitze, um die Lötstelle durch
die Entlötlitze hindurch zu erhitzen. Auf diese
Art und Weise lassen sich auch filigranste
Schaltkreise sehr sauber
verlöten.
Bleifreies Lötzinn verkompliziert den Lötprozess. Man
sollte deshalb bleihaltiges Lötzinn verwenden, solange man noch
welches bekommt. Der Anteil an der Blei-Umweltverschmutzung, den die
Elektronikbastler zu verantworten haben, ist vernachlässigbar
klein.
Dann geht's ans versiegeln. Soll eine Platine nur
vorübergehend
genutzt werden, oder ist abzusehen, das man sie öfters mit dem
Lötkolben
bearbeiten wird, kann man wieder eine Kolophonium-Spiritus-Lösung
auftragen. Eine dauerhafte Versiegelung erreicht man mit einem
speziellen
Leiterplatten-Lack (z.B. "Plastik") aus der Sprühdose. Der greift
das Kupfer und Zinn nicht an (was man vom Kolophonium langjährig
nicht
sagen kann) ist haltbar und trotzdem im Notfall lötbar.
Früher habe ich nur mit Kolophonium versiegelt, aber manche 10-15
Jahre alte Platine weist inzwischen Oxydschichten auf dem Kupfer auf.
Verzinnte Platinen versiegel ich in der Regel
gar nicht.
Im Vergleich dazu sind heutige Verfahren
geradezu elegant.